BayWaH
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Während der dreijährigen Entwicklungs- und Erprobungszeit sind vielfältige Fragen aufgetaucht. Hier wird versucht, die richtigen Antworten darauf zu geben.


In den einschlägigen Dienstvorschriften (z.B. FwDV 8, GUV-R 2101) werden für einen Taucheinsatz vier bzw. drei Kräfte vorgeschrieben. Wird gegen diese Vorschriften mit zwei Kräften verstoßen?

Nein. Mit dem Konzept wird in erster Linie versucht, Personen von der Wasseroberfläche zu retten, bevor sich ein Ertrinkungsunfall "entwickelt". Solche Einsätze fallen de jure nicht unter die zitierten Vorschriften. Da aber ein kurzzeitiges Abtauchen im Einzelfall notwendig werden kann, wurde eine versicherungsrechtliche Erlaubnis beantragt, die vom Bayerischen Gemeindeunfallversicherungsverband am 06.11.2002 (Az.: TAD sma/hi) erteilt wurde. Das Schreiben steht hier zum Herunterladen bereit:

Schreiben GUVV,


Wenn der Taucheinsatz nicht im Vordergrund steht, warum ist dann ein Hubschrauber-Tauchretter (HTR) notwendig? 

Der HTR besteht aus drei Komponenten: Das Grundgerüst - ein Auffanggurt - erfüllt die Forderung nach einer zusätzlichen Sicherung im RTH durch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) und die Rettungsweste entspricht den Vorgaben des Unfallversicherers.

Warum dann noch ein "Tauchgerät", wenn der Notfallpatient doch zu sehen sein muss bei diesem Konzept?

Die Alternative wäre gewesen, im Einsatz bei  Bedarf in Apnoe abzutauchen. Aus zwei Gründen sehen wir davon ab: 

  • Haftungsrechtliche Gründe (s. Stellungnahme des  GUVV)
  • Medizinische und taktische Gründe (s. Stellungnahme der Uni Ulm)

Von verschiedenen Seiten ist zu hören, der HTR wäre nicht zugelassen. Auch in einem Internetforum wird geschrieben, der HTR wäre aus diversen Teilen "zusammengebaut", ohne dafür eine Bauartzulassung zu haben. Stimmt das?

Nein. Die EG-Baumusterprüfbescheinigung ist für jedermann hier einsehbar.

Wo kann man die Ausrüstung kaufen und was kostet sie?

Die Ausrüstung wird von unterschiedlichen Herstellern gefertigt. Wenn Sie ein unverbindliches Angebot möchten, benutzen Sie bitte das Formular im Menü Angebot.


Darf und kann das BayWaH auch in anderen Bundesländern angewandt werden?

Ja.

Können an dem "Aufbaulehrgang für Feuerwehrtaucher - Hubschraubereinsatz" der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg auch Personen außerhalb Bayerns teilnehmen?

Leider nein. Derzeit können die Lehrgangsplätze nur von Angehörigen mit entsprechender Qualifikation der DLRG, Feuerwehr und Wasserwacht aus Bayern belegt werden. Zaungäste sind jedoch stets willkommen.

Auf den Bildern in der Galerie sind überwiegend Polizeihubschrauber zu sehen. Wird die Wasserrettung mit Hubschraubern in Bayern von der Polizei wahrgenommen?

Nein und falls doch, dann nur in Ausnahmefällen, wenn ein RTH oder ITH nicht oder nicht rechtzeitig verfügbar ist. Ansonsten sind deshalb überwiegend Polizeihubschrauber zu sehen, weil die Flugverfahren zusammen mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern (PHuStBy) entwickelt wurden und die Flugstunden mit der internen Fortbildung der Luftfahrzeugführer und Bord-techniker der PHuStBy verrechnet werden konnten.


Warum werden alle Flugverfahren links bezogen geflogen, der Pilot sitzt doch rechts?

Der Ausstieg ist bei allen RTH und ITH in der Regel rechts nicht möglich. Der Ein- und Ausstieg der Wasserretter erfordert jedoch aus taktischen Gründen eine bestimmte Sitzordnung. Daher wurden links bezogene Verfahren auch mit Polizeihubschraubern geschult, obwohl hier ein Ausstieg rechts möglich wäre.

Das setzt aber das Einsprechen des Luftfahrzeugführers durch den Rettungsas-sistenten voraus. Ein Luftrettungsunternehmen erklärt auf seiner Homepage, dass dies wegen fehlender Praxis und Übung nicht möglich ist. Geht das BayWaH von falschen Voraussetzungen aus?

Zunächst ist klarzustellen, dass jedes Luftrettungsunternehmen seine Flugver-fahren selbst festlegen kann und zu verantworten hat. Es ist richtig, dass das Einsprechverfahren bei der Polizei aufgrund bestehender Routine vorzüglich klappt. Es ist aber auch richtig, dass z.B. bei Übungen mit der Crew des ITH "Christoph Regensburg" die Flugverfahren schon nach wenigen Übungen sehr zufriedenstellend funktionierten (s. Galerie) und die Fortbildung dort  im Sinne des Crew Coordination Concept (CCC) gesehen wird.

Was hat es mit der Tiefenmessboje auf sich?

Der Endanflug an den Notfallpatienten ist ein Kompromiss zwischen flugtech-nischen und anatomischen Aspekten. Hubschrauber und Wasserretter müssen so tief wie möglich und so hoch wie nötig über dem Patienten sein. Maßge-bend ist u.a. eine entsprechende Wassertiefe. Mit der Tiefenmessboje wird sie gemessen.

Wäre es dann nicht besser, immer aus einer Höhe von 1 m über Wasser auszu-steigen?

Ein Schweben des Hubschraubers in dieser Höhe verlangt vom Luftfahrzeug-führer Erfahrung über Wasser, die er in der Regel nicht hat. Hinzu kommen schlechte Referenzen und mangelhafte Sichtverhältnisse durch aufgewirbeltes Wasser oder Eis. Die Distanz von 1 Meter wird dann sehr schnell unterschritten.

Aufgrund dieser Gefährdungen wurde für den Flugbetrieb in der ADAC Luftrettung die Kufenrettung bei allen Hubschraubermustern bis auf weiteres untersagt. Auch bei der DRF ist die Kufenrettung im Operation Manual (Flug-betriebshandbuch) nicht vorgesehen.

Auf der oben schon zitierten Homepage wird empfohlen, einen Abstand zwischen Hubschrauber und Patienten von 20 Metern zu halten. Der Patient ist damit außerhalb des Rotorabwindes, und der Wasserretter kann die 20 m schwimmen. Wäre das nicht die einfachere und bessere Lösung?

Nein! Dagegen sprechen mehrere Gründe:

Der Rotorabwind treibt das Wasser zirkulär nach außen. Damit entsteht beim Luftfahrzeugführer der visuelle Eindruck, die Maschine geht zurück. Instinktiv setzt er die Maschine nach vorne und trifft den Patienten mit dem Rotorabwind. Vorführungen haben dieses Phänomen bestätigt. Die Sinnestäuschung zu überwinden, würde ein ständiges Üben über Wasser erfordern, was zumindest bei kommerziellen Luftrettungunternehmen nicht umsetzbar ist.

Der zuerst aussteigende Wasserretter muss die gesamte Strecke im Rotorabwind zum Patienten schwimmen. Sofern er ihn überhaupt unter diesen Bedingungen sieht, ist es fraglich, ob er konditionell dann noch in der Lage ist, eine Umklammerung des Patienten erfolgreich abzuwehren.

Der Hubschrauber kann natürlich sofort nach dem Ausstieg einen Steigflug einleiten, um den Rotorabwind wegzunehmen. In diesem Fall kommt es aber zu erheblichen Verzögerungen, bis der 2. Wasserretter mit der Wasserrettungsplattform aussteigen kann.

Bei der Eisrettung ist es unabdingbar, den oder die Wasserretter unmittelbar an der Einbruchstelle abzusetzen. Das Absetzen 20 Meter vor der Einbruchstelle auf dem nicht tragfähigen Eis wäre verhängnisvoll.


Auf der Homepage von Christoph 32 wird entgegen einer anderen Veröffentlichung mitgeteilt, dass mit der BF Ingolstadt das BayWaH nicht geflogen wird. Stimmt das?

Die zitierte Veröffentlichung (www.einsatz-netz.de) gibt es nicht mehr. Unabhängig davon muss die Aussage jedoch differenziert werden: Richtig ist, dass Christoph 32 die BayWaH-Flugverfahren nicht praktiziert, sondern ihre eigenen Verfahren fliegt. Bedauerlicherweise wird jedoch auf der Homepage von Christoph 32 verschwiegen, dass die Ausrüstung der BF Ingolstadt (z.B. HTR und TRIPEL) ein BayWaH-Equipment ist und von der BF Ingolstadt maßgeblich mit entwickelt wurde.


 
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